Suisseness

Auf der Flucht vor der gefühlt zu heissen Junisonne, beschliessen wir es heute etwas gemütlicher angehen zu lassen. Ein kleiner Spaziergang durch den Wald entlang der längsten Suone des Wallis.

Die Suone von Saxon führt Wasser der Printse durch Wälder, Alpwiesen und Maiensässe der Gemeinden Nendaz, Isérables, Riddes bis nach Saxon. Zur Überwachung der Suone brauchte es mehrere Wärter mit Behausungen und zahlreiche Wasserhammer, welche bei intakter Suone von weitem zu hören waren. Da der Unterhalt äusserst kostspielig war, wurde der Betrieb eingestellt. (Quelle: https://www.valais.ch/de/aktivitaeten/wandern/suonen/suone-von-saxon)

Die alte Wasserader ist nur noch teilweise erkennbar. Baum- und Felsstürze haben den Graben teilweise komplett verschüttet. Es ist kaum vorstellbar, welchen unbeschreiblichen Aufwand man betreiben musste, um die Wasserversorgung aufrecht zu erhalten.

Unser Weg ist gar nicht so ein einfacher Spaziergang wie wir vermuteten. Schwindelfreiheit ist Voraussetzung um den teils nur einen Meter schmalen auf einer Seite steil abfallenden Weg meistern zu können. Geröll und umgestürzte Bäume versperren den Weg und machen den Nervenkitzel komplett.

Auf unserem Weg kommen wir an einer alten Waldhütte vorbei, mit einer kleinen Feuerstelle und einer Trinkwasserquelle. Jetzt bewährt sich die Tradition stets ein Schweizer Taschenmesser sowie ein paar Zündhölzer dabei zu haben. Schnell ist die Cervelat nach schweizerischer Art eingeschnitten und brutzelt aufgespiesst auf einem angespitztem Stock über der heissen Glut. Ein Feuer im Wald – das gibt es auch nur in der Schweiz…

Suisseness

An dieser Stelle ist es mir ein Anliegen zu erwähnen, dass jeder der im Wald ein Feuer macht, dies nur tut wenn es keine anhaltende Trockenheit gibt, das Feuer stets unter Aufsicht ist und genug Wasser in der Nähe ist, um das Feuer zu löschen. Jeder Funke der zurückbleibt, kann einen Waldbrand entfachen. Es heisst also: Hirn einschalten und verantwortungsvoll handeln.

Danke

Juni 2021 – Auf den Spuren des Rauschens

Das Rauschen des nahen La Fare macht uns neugierig. Laut der Karte entspringt der Gebirgsfluss dem Lac des Vaux, einem auf 2543 Meter gelegenem, ca. 13 ha grossem Bergsee.

Der Aufstieg ist gemächlich im Schatten von alten Lärchen, vorbei an einer kleinen Alp, begleitet vom Singen der Vögel und den Warnrufen eines Tannenhähers. Das immer lauter werdende Rauschen verspricht einen Wasserfall und bald begrüssen uns ohrenbetäubende Wassermassen die mit unvorstellbarer Kraft ins Tal stürzen.

Auf dem Chemin de Chassoure erreichen wir auf 2150 Meter ein Talbecken, durchzogen von kaltem, in der Sonne glitzernden Bergflüssen. Einzelne Schneefelder werfen gleissendes Licht zurück. In der Ferne entdecken wir eine Hütte mit Tisch und Bank aus Stein. Dort machen wir Pause und lassen die Landschaft auf uns wirken.

Der lange Winter macht uns das Weitergehen zum Lac de Vaux unmöglich. Der Schnee gibt zu wenig Halt um sicher und ohne Risiko die letzten 300 Höhenmeter zu erklimmen. Wir machen uns zufrieden auf den Rückweg und entdecken doch noch einzelne Murmeltiere die flink über die gerade aufwachenden Alpwiesen flitzen.

Der Weg ist das Ziel, aber manchmal ist das Ziel im Weg.

Peach Weber, Schweizer Komiker

3500 km durch Norwegens Norden – Senja 

senja – zweitgrösste insel norwegens – dramatische felsformationen im westen die an die lofoten erinnern und lieblich wirkende land- und waldwirtschaft im osten.

froh um unsere warme bekleidung steuern wir über tromsö die fähre nach senja an. kalter wind begleitet die ohnehin schon unruhige fähre. durchgeschüttelt kommen wir auf senja an. wir beschliessen – wie meistens – der grossen masse auszuweichen. entlang der westküste richtung süden. und wir geben den einheimischen recht, wenn sie sagen, senja sei das zweite lofoten – nur eben weniger stark frequentiert.

wir finden einen kleinen überschaubaren camping – eigentlich ist es ein fischercamp – und so packen wir die angel aus und versuchen vom pier aus unser glück. das anschliessende erlegen geht schon wesentlich leichter von der hand. glücklich und zufrieden über unseren fang kommen wir im camp an und werden von einer gruppe finnischer fischer begrüsst. das angebot uns den fisch fachmännisch zu filetieren nehmen wir gern an und bekommen oben drauf noch einen fangfrischen dorsch geschenkt. das abendessen kann kommen.

unser sehr freundlicher campwart gibt freudig auskunft über wanderrouten in der region. endlich – sonne – blauer himmel. so wachen wir früh auf und fahren wenige kilometer zum wandereinstieg.

750 höhenmeter steil bergauf. doch die grandiose aussicht auf den 3.5 km langen fjord entschädigt für die bucklerei.big-11

wir sind allein auf dem gipfel. ruhe. keine menschenseele, kein verkehrslärm, keine alltagsgeräusche. im gipfelbuch sind kaum mehr als zehn einträge – jetzt sind es zwölf.

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die letzten tage in norwegen. tromsö besuchen wir auf unserer rückkehr von senja nur für ein paar stunden. es regnet wieder einmal.

und trotz des kältesten sommers nordnorwegens (so haben es mir norweger bestätigt) waren es schöne 3500 km. die kargheit und dramaturgie der natur, die hell erleuchteten sommernächte, die gelassenheit der menschen, die kultur der sami die ihren festen platz hat… all das lässt uns wiederkommen.

noch mehr fotos aus norwegens norden findest du hier

schottland – nichts ist so, wie es scheint – isle of skye

dauerregen und kräftiger wind liessen unsere kleine vierrädrige behausung ganz schön wanken und weckte uns frühmorgens bevor die nasszellen vom rest des campings besucht wurden.

wir entschlossen früh richtung westen auf die allzu bekannte halbinsel skye aufzubrechen. ganz gegen unseren wunsch nach menschenleere und einsamkeit hörten und lasen wir mehrfach von dieser grandiosen landschaft auf skye – die wir uns nicht entgehen lassen wollten.

auf skye durften wir das schottische wetter kennenlernen. wenn auch eben noch blauer himmel mit ein paar schäfchenwolken sichtbar waren, heisst das noch lange nicht, dass es nicht innerhalb der nächsten halben stunde wie aus eimern regnen kann….

isle of skye

die grandiose landschaft der isle of skye hat sich uns leider grösstenteils hinter dicken regentropfen und teils zähem nebel versteckt. aber an einem tag schenkte uns der wettergott durchgehend sonne. leider fühlen sich mücken in solcher umgebung ebenfalls sehr wohl… trotz heissen 28°C machten wir uns gewappnet gegen die stechattacken mit langgeärmeltem t-shirt auf unsere erste wanderung.

old man of storr – eine bizarre und gleichzeitig anmutende felsformation. von touristenschwärmen begleitet starteten wir mit jeweils 12 kg fotogepäck am fusse des gebierges. der weg war einladend es den anderen vielen nachzutun und mit flip-flops den berg zu erklimmen. aber die meisten der vielen touristen, die so gar nicht in dieses bild passten und sich teils sehr respektlos gegenüber der natur verhielten, blieben auf dem ersten plateau und kehrten um. was sicher auch an dem unwegsameren von losem geröll überhäufte pfad lag. zu unserem glück…

old man of storr

„nicht die momente in denen du atmest sind die schönsten, sondern die, die dir den atem rauben.“

verfasser unbekannt